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Nochmal alles zum Nachlesen


Sprecherausbildung Mediensprechen

"Wir haben keinen Tee für den Zucker!"                                        - Ein Hörspiel bei 150 Grad

Gruppenprojekt 16/2: Hörspielproduktion

von Katrin Boers

 

Das fehlte uns noch - das Gruppenprojekt. Etwas, dass die angehenden Mediensprecher in ihrer Ausbildung alleine stemmen, trainerunabhängig. Lange haben wir rumgehampelt, was und ob es eins geben soll und dann fiel uns im letzten Workshop mit Jenny ein Hörspiel in den Schoß.

Eigentlich war es zum Üben im Workshop Dialoge gedacht, aber das Hörspiel "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" gefiel allen gut, war noch nicht produziert und selbstgeschrieben. Also ran ans Werk. Wir durften beim LVR produzieren und waren alle pünktlich um 9 Uhr am Start im Studio. Linda König vom LVR, unsere Kooperationspartnerin und Chefin vom ganzen, sprach warme Begrüßungsworte und heizte die Stimmung im Studio ordentlich an.

Den Rest erledigte das Kurz-Warm-up, wir glüten. Sandra als Regisseurin und Ulrich in seiner Doppelfunktion (Technik und Lautsprecherstimme) blieben draußen, die anderen zehn waren meistens im Studio. "Nicht mit Papier rascheln, nicht an der Kleidung zupfen, nicht zu laut atmen - das hört man in der Aufnahme!" Okay, schwitzen ging auch ohne Ton in dem kleinen Studio. Unserer Spielfreude tat das aber null Abbruch. Außerdem passten Enge und Wärme gut zum Stück. Es geht um eine Gruppe von Leuten, die sich für eine Art Experiment zusammen einsperren lassen, beobachtet werden und irgendwie miteinander klar kommen müssen. Ein bisschen "Big Brother". Meistens waren mindestens fünf Sprecher gleichzeitig hinterm Mikro.

Es ging heiß weiter, denn die Stimmung im Stück und der Stress der Teilnehmer in dem Stück nahm stetig zu. Zwischendurch kam Linda vorbei und kommentierte: "Bei euch riecht es wie in einer Jungenumkleidekabine, wisst ihr das?" Och ja. Die Hälfte der Sprecher hatte mittlerweile die Schuhe und Socken ausgezogen. Nichtsdestotrotz kamen wir zackig voran. "Okay und LÄUFT!"

 - Kollektiver Lachflash: bei Sabines "rietzen" mit russischen Akzent

 - süßester Versprecher: "Wir haben keinen Tee für den Zucker!" (Gunda)

 - Szenenapplaus: zweiseitiger Dialog zwischen Miriam und Sven, ein Durchgang - perfekt!

 

Nach dreieinhalb Stunden bei gefühlten 150 Grad, 20 Seiten Text und einem gemeinsamen Abschlusslacher von allen im muckeligen Studio haben wir das Stück im Kasten. Die Gummimöpse sind auch alle aufgegessen und wir sind stolz auf uns.




Sprecherausbildung Mediensprechen

"Ein letztes Mal !" – Die Fassung nach der letzten Fassung

Der zweite Studiotag

von Katrin Boers

 

Es ist der zweite Studiotag für die angehenden Mediensprecher und Sprecherinnen des Jahrgangs 16/2 und es ist die letzte gemeinsame Workshop-Einheit der Ausbildung – aber für Wehmut ist kein Platz. Wir freuen uns auf einen weiteren Tag in den Convoi Studios von Tom Blankenberg und er freut sich auf uns. Das Studio scheint schon altbekanntes Terrain. Keiner ist mehr richtig nervös, alle wollen ran ans Mikrofon. Heute gibt es einen Ausflug in Texte aus Werbung, Videospiel und Literatur.

Birgit und Ulrich starten und legen gleich los als Ehepaar. Birgit säuselt „Schaaatz!“ und will mit dem Gatten shoppen gehen. Ulrich weiß nicht, ob Weihnachten, ihr Geburtstag oder doch nur Montag ist. Was für ein Spaß. So sollte Werbung immer sein!

Miriam und Sabine geben beste Freundinnen und haben die Haare schön. Katja hingegen hat die Haare gar nicht schön, sondern pumuckel-orange und gibt sehr überzeugend die Verzweifelte. Und als Ulrich und Sven hinters Mikro treten, sind wir alle sofort in der Düsseldorfer Altbierkneipe als Loriot bei "Herrn" Köbes ein "Aaalt" trifft. Das macht hinterm Mikro Riesenspaß, aber auch wir als Zuhörer kriegen bald Bauchschmerzen vom Lachen. Und Tom hört alles, jede Nuance und ist selbst unersättlich: „Ach, du machst noch eine, haste gesagt?!“ Stimmen klingen glockig, mit viel Volumen untenrum, es gibt kicksige Blumen im Regenbogenland und textloses Ausflippen. Nach der Werbung, kommen Texte für Games und Videospiele. Das macht auch Spaß. Da dürfen alle mal richtig übertreiben und Gas geben.

Sven wird hinterm Steuer zu Hulk, Miriam macht uns als Hexe richtig Angst und ihr Textblatt nass. Katja verwandelt sich in ein niedliches Tierchen und Birgit in ein böses Tierchen – aber gentlewoman-fies. Sabine trillert als entzückende Fee in unsere Ohren und Ulrich gibt einen ölbeschmierten Mechaniker. Tom lockt immer wieder andere Fassetten aus uns raus: „Einen haben wir noch!“

Bei der Literatur feilen wir weiter. Sven hat sich die Kindergeschichte „Raupe Nimmersatt“ ausgesucht. Die ist erst so cool, dass weibliche Teenager Schlange stehen würden. Aber Tom will eine Gute-Nacht-Fassung für kleine Kinder: „ich will Spannung, die drei Jahre alte Kinder verkraften und weniger diese kopfloser-Mann-Lagerfeuer-Spannung!“ und er kriegt sie. Aus dem Bruce-Willis-Ei wird ein ganz kleines, niedliches Ei, aus dem die winzige Raupe Nimmersatt schlüpft. Ulrich lässt uns wahre Bühnenluft schnuppern, Katja wird zur Detektivin, Miriam und Sabine erklären uns mit Tucholsky das Wunder der Gleichzeitigkeit und Birgit spricht wahrhaft über Männer mit Speck am Hals in Unterhosen.

Alle liefern richtig ab und niemand lässt nach, auch wenn Tom immer noch die letzte Fassung nach der letzten Fassung will. Eine wirklich großartige Vorbereitung auf zukünftige Studioarbeit. Es ist, als wären lauter gutgelaunte Stimm-Chamäleons in einem Raum.




Sprecherausbildung Mediensprechen

WS8 Dialoge - Berühren und berührt werden

Achter und letzter Workshop für 16/2: Dialoge

von Katrin Boers

 

"Wo sind nur die Wochen und Monate geblieben?", fragen wir uns, als der Ausbildungsjahrgang 16/2 an diesem Wochenende im Mai die Räume in der Tannenstraße für den letzten Workshop der Ausbildung betritt. "Es war doch gerade erst September!?" Aber viel Zeit zum Sinnieren bleibt nicht, denn unsere neue Trainerin Jenny ist da. Dialoge ist uns letzter und ihr erster Workshop im Sprechstil Atelier. Da mischt sich Neugier und Nervosität. Doch beides schwindet rasch. Jenny leitet uns durch ein Warm up, das uns vertaut ist, wo wir aber auch Neues entdecken und auf unsere Bedürfnisse achten. "Bin ich angespannt oder unterspannt? Brauche ich Energie oder muss ich mal kurz zur Ruhe kommen?"

Dananch gehts schon in die Dialoge. In Zweierteams bearbeiten wir Texte, die viel Spieltraum für Interpretationen geben:

A: "Worüber reden wir?"

B: "Du weißt schon."

A: "Ich weiß gar nichts mehr."

Wir experimentieren herum und lernen, dass der Status wichtig ist, aber auch das Reagieren auf den anderen. Wenn ich ihm zuhöre, dann muss ich manchmal anders antworten, als ich es mir vorher zurecht gelegt habe. Das ist anstrengend, aber sehr spannend. Die gleichen Textpassagen klingen bei jedem Paar anders. Es können mal zwei alte Freunde sein, die es lieben, sich zu streiten. Ein junges Paar, das frisch verließt ist und sich neckt. Zwei Kolleginnen, die über Tratsch in der Firma klatschen.

Zu Mittag essen wir unseren letzten Kuchen, gebacken natürlich von unserer Candyqueen Katja und als uns klar wird, dass es der letzte ist, kommt ein "ohhh!!!" aus allen Mündern. Wo wir schon so emotional sind, können wir uns zum Aufwärmen nach der Pause auch mal intensiv begrüßen. Mit den Knien, den Füßen, den Hüften – dabei nehmen wir Blickkontakt auf und rufen: "Hi", "Hohoho" und "Heyheyhey!". Auch unsere Rücken begrüßen sich und unsere Kniekehlen. Was wie ein übermütiges Spiel aussieht, wärmt neben unseren Körpern auch unseren Atem und unsere Stimmen auf. Dann zeigt uns Jenny, auf welche verschiedene Arten, wir Charaktere erschaffen können, damit die Dialoge noch lebendiger werden. Da helfen Stereotypen: die Stewardess, der Polizist, die Amazone, der Pfarrer. Eine Frage taucht auf: "Wie schlüpfe ich in diese Rolle?" und Trainerin Jenny schlägt vor, dass die Rolle auch zu uns kommen kann. Miriam streicht sie einfach in ihrer eigenen Farbe an und macht die Rolle so zu ihrer. Neben den Stereotypen hilft uns auch das Stimmmischpult. Jeder kann sich für eine hohe oder eine tiefe Stimme entscheiden. Sie ist weit oder eng, sitzt sie vorne oder weit hinten. Behaucht der Sprecher oder ist er atemlos. So erschaffen wir alle einzigartige und von einander unterscheidbare Charaktere.

Damit das Ganze auch noch authentisch klingt, nehmen wir uns Heinrich von Kleist zum Vorbild. Schon der hat gesagt, dass Denken beim Sprechen wichtig ist. Der Gedanke formt sich beim Sprechen. Um das zu üben, machen wir uns ans Primavista-Lesen und greifen wild ins Bücherregal. Eine Seite spontan aufschlagen und loslesen. Das klappt gut und die Pausen, die entstehen, weil man über das gelesen nachdenkt oder schon mal die nächsten drei folgenden Worte im Kopf liest, sind gar keine Katastrophe. Im GEGENTEIL! Pausen sind grandios wichtig. Um neuen Atem zu schöpfen und dem Zuhörer die Chance zu geben zu folgen oder auf die Fortsetzung gespannt zu sein. Bei dieser Übung legt uns Jenny die Hand auf den Bauch. Wichtig ist, zu atmen und die Bauchdecke auch mal loszulassen. Unsere Bäuche sollen nicht flach und einzogen sein: Raus damit!

Wir unterhalten uns in einer Übung nur noch mit den Worten "ja" bzw. "nein" und können doch so viel damit sagen, weil Subtext mitschwingt. Wir sitzen zu zweit auf Parkbänken und bespritzen uns in Texten mit Suppe oder reißen uns die Ohren ab. Alles sprachlich, versteht sich. Wir widmen uns noch kurz der Werbung und stellen unsere Stimmen in den Dienst von Schokolade, Drei-Wetter-Taft, Energydrinks und Schlemmerjoghurt.

Jenny ist immer an unserer Seite, hat für jeden sofort eine eigene Übung oder eine Idee, wie er an seiner jeweiligen Baustelle arbeiten kann und sagt weise: "Die Übung bringt nur etwas, wenn du die Übung machst!" Da steckt viel Wahres drin. Wir trauen uns. Peinlich ist uns nichts mehr, wir kennen uns so gut und lassen uns von den Stimmen der anderen berühren. Das mündet dann darin, dass wir alle im Kreis um ein Mikrofon stehen und an einem Hörspiel arbeiten, darin sind wir Probanten bei einem Laborversuch. Hier fließen die Charaktere der beiden Tage ein und werden neu geschaffen. Was alles in ein Wochenendworkshop passt! Wahnsinn. Was für ein fulminanter Abschluss unserer Workshop-Ausbildung – aber ein bisschen was haben wir ja noch vor uns.

 

Als nächstes sehen wir uns beim Studiotraining. Zum Glück!




Sprecherausbildung Mediensprechen

"Nimm dir die Zeit!" - Das Kreuz mit dem Auswendiglernen

Siebter Workshop für 16/2: Prosa

von Katrin Boers

Der Jahrgang 16/2 der Mediensprecher-Ausbildung marschiert mit großen Schritten voran. An diesem Wochenende steht Prosa mit Trainerin Julia auf dem Plan. Aufgabe für jeden für diesen Workshop: ein Stück Literatur (etwa 1 Minute) auswenig können. Verdammt – warum ist auswendig lernen nur so schwer? Die eine schreibt den Text mit der Hand und am PC mehrmals ab, der andere lernt das Stück Text täglich in der S-Bahn. Trotzdem sind alle nervös zu Beginn des ersten Workshoptages – und dazu auch noch eine andere Umgebung. Wir verbringen den Tag in einer Halle der alten Farbwerke und das Warm-Up übernimmt jetzt jeder selbst. Julia fordert uns auf: "Beginnt den Raum mal schamlos-freudvoll mit eurem Atem und euren Stimmen zu füllen!" Nach dem Warm-Up resümiert Sebastian: "Wie Drogen! Eben fühlte ich mich noch, wie von drei Dampfwalzen überfahren, jetzt fühl ich mich super!"

"Huch, der Text ist plötzlich weg!", ruft dann jemand panisch. Doch zum Warmreden und um den Raum endgültig für sich einzunehmen, hat Julia eine coole Übung für uns: "Jeder darf diesen Raum jetzt so einrichten wie er mag. Stellt euch vor, ihr dürft hier einziehen – Geld spielt keine Rolle!" Da gab es kein Halten mehr. Jeder hatte eine Minute als Innenarchitekt und wir stellten Konzertflügel und offene Kamine in den leeren Raum. Wir zimmerten uns deckenhoche Bibliotheksregale inklusive Leitern, eine super ausgestattete Küche mit meterlanger Tafel zum Speisen und Highend-Stereoanlagen mitten im Raum, um endlich einmal die perfekte Akustik zu haben und eine Wasserrutsche gab es auch plötzlich.

So herrlich locker gingen wir an unsere Texte und plötzlich war die Angst vorm Textvergessen wieder da. Am Anfang durfte jeder den Text einmal runterasseln, bevor es an die Details ging. Aber Julia nahm jedem die Angst: "Nimm dir Zeit!", dieser so einfache, aber doch magische Satz kam bei jedem und wir merkten bald, dass er wirklich stimmte. Weniger gehetzt und in Ruhe, fielen uns die Sätze und Wörter wieder ein. Lange Pausen erhöhten sogar die Spannung, in der sich keiner zu atmen traute bis es weiterging. Und die Texte hatten es in sich: es ging um Bienen, den Nordpol, um Wale, die erste Radtour, Elefanten, Wale, Mörder, Verrückte im Pinguinkostüm, verlorene Söhne, blutende Bücher und Hunde, die in Flure kacken.

Julia nimmt sich für jeden Zeit und alle hören gespannt zu und geben immer wieder Feedback, wie die Worte gewirkt haben. Rasch schält sich die wahre Bedeutung des Textes heraus und es hat etwas magisches, wie alles immer bunter, dreidimensionaler und belebter wird. Das mit dem Auswenigkönnen ist kein Thema mehr und es geht - das müssen wir alle zugeben - irgendwie besser, als mit einem Zettel in der Hand. "Hallo, komm in meine Welt!" – das war die Aufforderung, die jede/r Sprecherin/in den anderen vermitteln sollte und es klappte. Als wir den Text verstanden hatten, wußten was der Erzähler ausdrücken möchte und eine Entscheidung für eine Richtung gewählt und die Handlungsbögen bis zum Ende gedacht hatten, funktionierte es bei allen.

Wieviel Psychologie zum Sprechen gehört, damit es richtig gut klingt, finden wir immer mehr heraus. Aber wir lernen, wie es geht und das macht stolz und jede Menge Spaß. Die Texte verdienen es, dass wir sie groß machen und dass wir sie ernst nehmen und wert schätzen, das überträgt sich auch auf die Zuhörenden. Das diese Erlebnisse kein Zufall in der Halle waren, merken wir am zweiten Tag zurück in den vertrauten Räumen der Tannenstraße. Dort geben wir neue und andere Text zum Vortrag und auch da passiert das Magische. Plötzlich sind wir im eisigen Russland und spüren den Frost, schleichen durch einen dunklen Wald und begegnen einem Fuchs, sitzen in einem grauen, trostlosen Zimmer, sehen den toten Hund einer Frau und sind zum Ball der Nattern eingeladen.

Wow – am Ende des Bogens fanden wir einen Topf voller Gold!

(Oh, da ist der Rückblick auf den Workshop schon wieder einmal etwas pathetisch geraten, aber wenn nicht hier, wo dann?)




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Unsere Teilnehmer in Aktion

Zusammen im Studio: Es wird ernst! Oder? Das Gruppenprojekt 16/1

Neben der intensiven gemeinsamen Ausbildung im Sprechstil Atelier gibt es für unsere Teilnehmenden auch die Möglichkeit, sich als Gruppe an ein gemeinsames Audioprojekt zu wagen. So ist zum Beispiel das quirlige Hörspiel "Der nächste, bitte!" der Gruppe 15/2 entstanden. In der Audiothek ist das Ergebnis zu hören.

Bei dem Gruppenprojekt haben die Teilnehmenden freie Hand, Ideen zu entwickeln, Texte zu suchen und überlegen sich auch die Aufteilung und Herangehensweise für die Produktion selbst. Für einige Teilnehmende der Gruppe 16/1 ging es im Februar ins Studio: Ziel war es nicht, ein Hörspiel aufzunehmen, sondern gemeinsam einen Feature-Text zu einem lebendigen Hörerlebnis zu machen. Zum Glück musste sich die Gruppe nicht mit Lizenz- und Rechtefragen herumschlagen, da eine Bekannte eines Teilnehmers den Text bereitstellte. Die Aufnahmen dafür konnten sie im Studio unseres Kooperationspartners machen, dem LVR Zentrum für Medien und Bildung.

 

Trainerin Sandra saß in der Regie und gab Tipps und Ideen an die Sprechenden weiter, wenn jemand mal nicht ganz so zufrieden mit seiner Aufnahme war. Für Fragen sorgten auch zahlreiche Fremdwörter und Namen in dem Text: Wie wird das genau ausgesprochen? Sind möglicherweise beide Varianten legitim, die wir hier gerade diskutieren? In diesen Situationen wird wieder mal klar, wie wichtig Vorbereitung ist, und das hat sich Teilnehmerin Marie zu Herzen genommen, die auf fast jede Frage eine Antwort wusste.

Nach knapp drei Stunden war es soweit, die Aufnahmen waren im Kasten! Aber das heißt nur, dass das Projekt in die nächste Phase geht: Die entstandenen Aufnahmen werden momentan fleißig von Christian und Marie aus der Gruppe 15/2 bearbeitet — und das fertige Endprodukt gibt es bald in unserer Audiothek zu hören.


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Sprecherausbildung Mediensprechen

"Komm, wir machen noch eine!" - Erster Studiotag mit Tom

Siebter Workshop des Ausbildungsjahrsgangs 2016/2

von Katrin Boers

 

Mit Spannung haben die angehenden Mediensprecher des aktuellen Jahrgangs 16/2 auf diesen Samstag gewartet. Es ist der erste Studiotag! Raus aus den vertrauten Umfeld des Sprechstil Ateliers in der Tannenstraße, rein in die Convoi Studios von Kooperationspartner Tom Blankenberg. Plötzlich müssen wir uns selbst aufwärmen, in kurzer Zeit und dann gehts schon rein ins Studio. Die Regie ist voller Technik und einem bequemen Ledersofa. Nebenan durch eine Glasscheibe getrennt, das Aufnahmestudio. Tom zeigt uns alles und fragt: "Aufgeregt? Müsst ihr nicht sein. Wir werden Spaß haben!"

Und dann gehts auch schon los. Kleine Hausaufgabe war, einen Anrufbeantwortertext zu schreiben. Den vertonen wir jetzt - zum Aufwärmen. Doch vor jedem Sprecheinsatz im Studio kommt erstmal das obligatorische "pegeln". Tom muss die jeweilige Stimme am Mischpult optimal einstellen, dazu braucht er gesprochenes Wort. Und wir, die sonst nie still oder um Worte verlegen sind, quetschten plötzlich onisono einzelne Sätze raus und fragen dann: "Reicht das?"

Katja fängt an. Ihr AB-Spruch wirbt für den Erotikversand "Susis Süßes". Da darf sie flirten, schmeicheln, ein Kätzchen sein. Sebastian hingegen hat einen Spruch für "Bolsis Bierbunker" (der Spitzname wird wohl bleiben). Damit er richtig in Stimmung kommt, kriegt er eine leere Bierflasche in die Hand. Da riecht es plötzlich im Studio auch gleich passend und er wird stimmlich immer kerniger. Tom hört alles und es gelingt ihm in kurzer Zeit durch treffsichere Regieanweisungen und Tipps, jede Menge Veränderungen aus unseren Stimmen herauszukitzeln. Er singt oder summt auch schon einmal die passende Hintergrundmusik dazu, um uns in die richtige Stimmung zu bringen. Durch Haltungsänderung, Tonhöhen-Switsch, Abstand zum Mikro, andere Gedanken im Kopf und gezielte Pausen, klingen die Stimme extrem facettenreich. Wir sprechen mal in Klammern, mal sprechen wir weniger wichtige Sätze weg, betonen keine Verben mehr und variieren das Engergieniveau. Sven kann nicht nur cool als Besitzer einer angesagten Szenebar sprechen, sondern auch lebhaft-aufgekratzt für ein Kinderspieleparadies.

Bei den anschließenden Sachtexten, die nicht mehr soviel Schauspielerisches verlangen, helfen auch Gedanken wie "stell dir vor, du trägst eine Krawatte" und plötzlich bekommt die Stimme einen offizielleren Charakter.

Tom hat unerschöpflich viele Tipps und hört jede Nuance genau heraus. Das alles als Sprecher im Kopf zu behalten und in der nächsten Version umzusetzen, ist ein harter Brocken, aber es gelingt uns allen. WOW. Es ist erstaunlich, aber man hört, ob die Sprecherin die Person über die sie spricht mag, oder nicht.Und immer heißt es von Tom: "Willste noch mal?!" Er ist ein bekennnender Freund einer letzten Fassung, nach der letzten Fassung.

 

Ja – wir wollen nochmal und freuen uns schon aufs zweite Studiotraining im Juni.

 





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Sprecherausbildung Mediensprechen

Die Aha-Effekte häufen sich

Workshop 6: Die wunderbare Welt des Features

von Katrin Boers

 

Zwei Tage Feature-Workshop mit Trainerin Julia. Alle sind da, die Hälfte von uns war krank oder brütet noch was aus, aber das schreckt den Ausbildungsjahrgang 16/2 schon lange nicht mehr. Das atmen und warm-upen wir locker weg. Das Aufwärmen ziehen wir profihaft mit Gelassenheit und Spaß durch. Da führt uns mal unsere Hüfte durch den Raum, oder unser rechtes Knie oder wir lassen unsere inneren Könige und Königinnen milde lächelnd durch den Raum schreiten. Unser Fleisch von den Knochen zu schütteln klingt sonderbar, bringt aber ungeahnte Effekte. Die Aussicht auf Katjas selbstgebackene Kuchen in der Mittagspause gibt zusätzliche Motivation durchzuhalten.


Julia stellt uns mit Hilfe einiger Hörbeispiele die facettenreiche Featurewelt vor. Verwirrend und schön zugleich ist, dass im Feature alles möglich ist (von der Reportage, über das Interview, das Hörspiel, O-Töne, Klangkollagen, Atmoteppiche). Eine riesen Spielwiese für Sprecher. Aus einer Flut verschiedener Texte darf sich jede/r was aussuchen und dann geht es in die Vorbereitung. Reihum tragen wir uns die vorbereiteten Passagen vor und geben uns Feedback. Und hier einige Kommentare und Erkenntnisse unseres Wochenendes:

  • Sabine: "Stirbt das nicht so weg, wenn ich das nur so sage?" - Alle: "NEIN!"
  • Alle beenden ihren Vortrag am ersten Tag mit: "Besser wirds nicht!"
  • Matthias Fischers Fritze haben wir so noch nie gehört.
  • Gesten, Atmen und Bilder im Kopf haben - hilft beim Sprechen unendlich weiter.
  • Esther darf ihre Mimik benutzen und so die Tauben fliegen lassen.
  • Matthias: "Es müssen nicht immer die Schokoladentexte sein, die nachher gut klingen." (Er bezieht sich auf seine Textpassage über Architektur für sozial Beanachteiligte, in der die Sätze über mindestens fünf Zeile gingen.)
  • Sebastian will seine "räselhaften" Pause weiter erforschen und an ihnen arbeiten.
  • Auch wenn zwei Leute den gleichen Text haben, kommen zwei vollkommen unterschiedliche Fassungen am Ende heraus.
  • Spreche ich jemanden an, klingt es sofort anders, verrückt!
  • Gunda erzählt den Mädels was über starke Jungs, und wir hören sie lächeln.

Matthias faßt die zwei ereignisreichen und mit Aha-Effekt-gespickten Tage und auch den momentanen Stand der Ausbildung so zusammen: "Das Gerüst der Kompetenzen füllt sich immer schneller mit Bausteinen!"

 

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir freuen uns jetzt auf die Praxis. Als nächstes geht es zum Übens ins Studio!

Sprecherausbildung Mediensprechen

Geil, wenns läuft! - Ran an die Sachtexte

Anrufbeantwortersprüche, Audioguides und Nachrichten - sachlich aber mit viel Emotion

von Katrin Boers

 

Der 5. Workshop steht ganz im Sinne der Sachtexte. Wir sind nach einem krankheitsbedingt ausgdünnten Workshop im Januar an diesem Wochenende zwar endlich wieder vollständig und aber auch MÜDE. Alle gähnen, hatten eine harte Woche und sind zum Start in diesen Workshop noch leise, zurückhaltend und träge. Katja ist selbst um 11 Uhr noch geistig am Bahnhof, sagt sie. Aber mit unserer gutgelaunten Trainerin Lilian warm-up-pen wir uns wach.


Dann geht es mit unseren selbstgemachten Zungenbrechern weiter. Da dreht sich viel um Mädchen, Bären und Beeren und ein Elektrizitätswerk (Danke, Sebastian!). Damit wir sauber artikulieren und keine Endungen vernuscheln, sollen wir bei jedem Wort, die Hände nach oben öffnen. Die Hände sind eng mit dem Sprachzentrum verbunden. Die Hände unterstützen uns, die Konsonaten zu lösen und die Vokale zum fliegen zu bringen. Soweit die Theorie. Unser Hände dirigieren, rotieren und bewegen sich wild. Doch am Ende der zwei Tage wird Matthias sagen: "Man muss die Hände für voll nehmen!" und Lilian wird ihn beglückt umarmen.

Bis dahin helfen uns auch Tennisbälle, um Hände und Sprache mit einander zu verbinden und uns ein bisschen toben zu lassen. Wir trainieren mit alltagstauglichen Beispielen und finden schnell heraus, wie schwierig so ein Anrufbeantworter zu besprechen ist. Und wieder helfen einfach Dinge weiter. Einen Gegenüber angucken und schon klingt das "Hallo, hier ist der Anrufbeantworter von" schon gleich lebendiger und persönlicher. Aufrecht sitzen bringt den nächsten dazu, weniger abweisend in seiner Ansage zu klingen. Auch ein Backrezept zu erklären hilft, seine Stimme zu finden und von einem seltsamen Nachrichtenton wegzukommen. Erst beschreibt uns Katja, wie sie die Quarkbrötchen mit Schokosplittern gebacken hat, danach haut sie uns mit ihrer Präsentation einer Radiomeldung komplett aus den Socken.

Am zweiten Workshoptag sind Erklärtexte, Audioguides und Podcasttexte dran. Jetzt mit Pult, Mikrofon und Kopfhörern. Eine ganz andere Situation. Da geht einigen von uns schon etwas die Düse beim Sprechen – komisch. Wir kennen uns doch. Da hilft, den Partner aus der Teamarbeit neben das Pult zu stellen, ihn anzugucken und ihm den Text zu erzählen. Wir denken über lebensgroße Pappaufsteller unserer Teampartner fürs Studio oder das Büro nach.

Auch gegenseitiges Fragenstellen hilft wahnsinnig dabei, einen Text nach Bedeutung zu strukturieren und ihn als Antwort so zu sprechen, dass er richtig, authentisch und nicht gekünstelt klingt. Beim Erklärvideo wird es noch kreativer. Gunda und Sabine malen Bilder zu ihrem Text und sind ob der Wirkung ganz verwundert. "Das funktioniert ja wirklich!"

 

Am Ende sind wir wieder voll mit Eindrücken, handfesten Tipps und der Gewissheit, dass wir es schaffen, wenn wir dran arbeiten.

 

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Unsere Teilnehmer in Aktion

Dana Schuster sitzt in der Jury des Deutschen Hörbuchpreises 2017

Ein Bericht von Dana Schuster (Sprecherausbildung Mediensprechen, Jahrgang 2015/02):

 

"Normalerweise höre ich selten Radio, wenn ich durch die Stadt laufe. An diesem einen Nachmittag Mitte November 2016 aber gehe ich mit Stöpseln in den Ohren durch die Fußgängerzone – und höre einen Aufruf im WDR: Der Deutsche Hörbuchpreis sucht die „Stimme des Hörers“ für die Wahl der besten deutschen Hörbücher – als neuntes Mitglied in der Preisträgerjury. Ich denke: "Klar habe ich Lust, und wie! Das wäre wirklich toll." Ich habe aber kaum Erwartungen, als ich wenig später eine Mail an die genannte Adresse schicke, um mich zu bewerben. Von der Weiterbildung im Sprechstil Atelier Düsseldorf schreibe ich nichts – ich möchte mich nicht als vermeintliche Expertin darstellen – aber ich erwähne meine ehrenamtliche Tätigkeit für die Blinden-Hörzeitung. Das möchte ich nicht verbergen. Was man sich alles für Gedanken macht... Später erfahre ich, dass dem Orga-Komitee dies durchaus gefiel, aber besonders meine „charmante Mail“ ihnen zusagte. Und: Es gab dieses Jahr wenig Bewerbungen. Manchmal muss der Mensch Glück haben.

 

Ich vergaß das Ganze aber erst einmal wieder. Etwa eine Woche später dann ein Anruf: Ich bin dabei! Wahnsinn! Ein paar Tage laufe ich ein wenig wie in Trance herum. Als die Anfangseuphorie sich legt, wird mir langsam klar, was bald auf mich zukommt: Fünfzehn nominierte Hörbücher zu hören und einzuschätzen. Ich überschlage die Stundenzahl und bin beeindruckt. Hoffentlich kann ich allen gerecht werden. Erst später erfahre ich, dass es den anderen JurorInnen nicht anders ging...

 

Irgendwann kommt ein großes Paket mit der Post: Die Hörbücher sind da! Jetzt heißt es HÖREN HÖREN HÖREN. Meine Tochter liest gespannt die Kurzbeschreibungen, verordnet ist absolutes Stillschweigen über die Nominierten. Die ersten Stimmen begeistern mich sofort. So kann es gerne weitergehen! Im Laufe der Zeit werde ich klarer, sortiere, mache mir Notizen. Manches gefällt mir auf Anhieb, einiges lege ich schon nach kurzer Zeit beiseite. Langsam entwickelt sich eine Tendenz, und ich bin total gespannt, ob die anderen, die „Fachleute“, meine Meinung teilen werden.

 

Ein paar Wochen später, es ist inzwischen Mitte Januar 2017, sitze ich im Zug nach Köln und bin dem Anlass entsprechend aufgeregt: Gleich treffe ich all die „Sprech-Experten“ in der Juryrunde – und ich bin mit dabei! Die beiden Damen vom Orga-Team begrüßen mich sehr herzlich und auch einige Juroren sind bereits da. Zur Jury gehören u.a. die Moderatorinnen Katty Salié und Christine Westermann. Alle schütteln mir die Hand und sind super freundlich. Sie behandeln mich ganz auf Augenhöhe. Meine Nervosität verfliegt immer mehr. Nach einer Vorstellungsrunde, bei dem jede/r auch von seinem bzw. ihrem Lieblingsgeräusch berichtet, geht es los mit dem fachlichen Austausch. Es ist eine lebendige, spannende Diskussion, die mir zu keinem Zeitpunkt langweilig wird: Sind die Sprecher überzeugend, d.h. lebendig, variabel und dem Text angemessen in ihrem sprachlichen Ausdruck? Ist die Produktion als Gesamtkunstwerk stimmig? Hat das Hörbuch eine gesellschaftliche oder politische Relevanz? Mit solchen und weiteren Fragen verbringen wir den Tag. Mittags gehen wir gemeinsam Essen, und schließlich, nach vielen Stunden in „unserem“ Tagungsraum, sind die Entscheidungen gefallen. In fünf Kategorien (Weibliche Stimme, Männliche Stimme, Hörspiel, Sachhörbuch und Unterhaltung) stimmen neun Juroren ab über die Gewinner-Hörbücher. Am Ende verabschieden wir uns alle mit Handschlag. Viele werde ich bei der Preisverleihung am 7. März 2017 in Köln wiedersehen. Für mich war es ein unvergesslicher Tag. Ich habe bemerkenswerte Menschen getroffen und viel gelernt darüber was „gutes Sprechen“ ausmacht. Und warum am Ende EIN Hörbuch herausragt unter Hunderten anderen. - Ich hoffe vor allem eines: Dass wir gute Entscheidungen im Sinne der Hörerinnen und Hörer getroffen haben."

 

Dana Schuster, Sprecherausbildung Mediensprechen, Jahrgang 2015/2

 

Mehr zum Deutschen Hörbuchpreis 2017 findet ihr hier...

 

Sprecherausbildung Mediensprechen

Endlich Texte! Workshop 4: Textsprechen

Die Freude aufs Sprechen und das Stirnrunzeln über so viele Regeln

von Katrin Boers

 

Neues Jahr, neuer Workshop. Nummer vier im Rahmen der Sprecherausbildung Mediensprechen 16/2. Leider ist unsere große Gruppe kurzzeitig empfindlich eingeschrumpft – die Krankheitswelle ist Schuld. Das heißt, dass jede/r angehende Sprecher/In noch mehr Aufmerksamkeit durch Trainerin Julia bekommt. Die Schauspielerin hat sich auch schon sehr auf uns gefreut und gemeinsam dehnen wir uns aufs Äußerste – ohne Warmup geht nie wieder was.


Als alle warm, gelockert und bereit sind, gibt uns Julia auch etwas Theorie mit. Wir sprechen ja nicht für uns allein, der Hörerbezug ist wichtig. Was ist das überhaupt? Wir wollen nicht einfach nur vorlesen, sondern uns in den Dienst des Textes stellen. Doch das ist gar nicht so einfach. Alle suchen sich aus Julias großem Textfundus ihren Lieblingstext aus. Dann wird nacheinander gelesen. Wir spüren, dass wir eigenes Erleben in die Art einfließen lassen können, wie wir den Text lesen und auch Entscheidungen treffen müssen, damit der die Worte bei den anderen wirklich ankommen. So entführen uns die Texte auf ein Piratenschiff, auf eine sonnendurchflutete Blumenwiese, in eine Küche im Nachthemd und barfuß in die Vergangenheit.


Der zweite Workshop-Tag wird von Trainerin Lilian begleitet. Sie zeigt uns in einem intensiven Warmup, dass Sprechen fast keinen Atem braucht und dass wir mit unserem Atem, Bilder an die Wand malen können. Ja, Bilder von roten Schiffen auf tanzenden Wellen. Danach geht es theoretisch weiter. Es gibt jede Menge Aussprache- und Betonungsregeln. Puh, je länger wir drüber nachdenken, um so schwieriger wird es. Mit diesem Wissen dürfen wir wieder an Texte. Doch die haben es in sich. Die meisten sind Bandwurmsätze, die sich gerne über sechs oder mehr Zeilen erstrecken. Da muss der Sprecher erst mal verstehen, worum es in jeder Einzelheit geht, um es dem Hörer verständlich präsentieren zu können. Das ist kein reines Vorlesen – das ist schon viel mehr und fordert Schweiß und Konzentration. Aber die Mühe lohnt sich, als der Halbkreis applaudiert.

 

Die Grundlagen sind da. Modul 1 der Ausbildung ist schon zuende.

 

Weihnachtsfeier im Sprechstil Atelier

Weihnachtliches am "Open Mic"

von Katrin Boers

Es war die erste richtige Feier in den neuen Räumen in der Tannenstraße. Schöner hätte die Premiere nicht sein können. Eine besinnliche, lustige, beredete, leckere und wunderbar stimmungsvolle Weihnachtsfeier war es. Aktuelle und ehemalige Teilnehmer/innen der Sprecherausbildungen Mediensprechen und Trainer/innen plauderten bei Glühwein und Plätzchen nicht nur übers Sprechen. Endlich einmal Zeit für Gespräche. Und dann gab es auch noch eine Lesung am Open Mic. Acht Sprecher/innen lasen: es ging um Bella Donna, die Toscana, Adventliches im Wald, einen geborgten Baum, die Sehnsucht rund um ein Kettenkarussel, ein Lied von Flo Mega, die kluge Gretel und die Tristess in Kleve. Wunderbar anrührend, komisch, böse und nachdenklich.  

Sprecherausbildung Mediensprechen

Von steppenden Zungen und Schmetterlingen der Weisheit

Dritter Workshop: Sprechtechniken

von Katrin Boers

 

Flexibel im Kopf und in unseren Handlungen zu bleiben – auch das lehrt die Sprecherausbildung Mediensprechen so quasi nebenbei. Zu Beginn des Workshop-Wochenendes lagen morgens die ersten Matten anders, als bei den vorherigen beiden Malen. Trainerin Lilian meinte nur weise: "Die Mitte ist auch nicht anders als der Rand." Also rauf auf die Matte, atmen, dehnen, seufzen und den Atem frei fließen lassen. Wie schön, dass alles schon so viel einfacher ist, als noch in den erst Stunden. Lilian leitete uns durch Warmups, um uns für Artikulation und Sprechtechniken aufzuwärmen und geschmeidig zu machen.


Danach wandten wir uns einem von vielen eher stiefmütterlich behandelten Körperteil zu, der Zunge. Immer da, aber nie so richtig bewußt, außer wir beißen drauf oder verbrennen sie uns. Im Workshop sollten wir sie herausnehmen. Jeder bekam eine sterile Kompresse und so viele Taschentücher, wie er oder sie brauchte. "Es kann eine feuchte Angelegenheit werden", warnte uns Lilian zu Beginn. Leichte Nervosität breitete sich aus, aber alle legten die Kompresse um die Zunge und dann wurde gedehnt, gezogen und abgelegt. Das verursachte jede Menge Speichelfluss, aber wir sind ja unter uns. Nachdem die Zungen wieder in die Münder durften, war das Gefühl des Sprechens unglaublich befreit. Die entfesselten Zungen steppten in unseren Mündern und machte uns klar, welche Fähigkeiten in den Zungen stecken.


Bei Laut- und Klangübungen hörten wir uns bei "dssss" an, wie Elektrobohrer oder eine ganze Beatbox. Bei einer Partnerübung, die wir Rücken an Rücken machten, suchten wir Körperstellen: "Wo ist der Kreuzbein?" Als wir es gefunden hatten, schoben wir einander auf "wwwwwws" durch den Raum. Wir erfuhren, in welche Richtung sich unser Zwerchfell bewegt und wie Handbewegungen es unterstützen können. Oder wie Finger im Gesicht den Klang eines Vokals verändern können, seltsam, aber wahr. Erkenntnisse, Spaß und ein klein bisschen Überwindung gehören zu jedem Workshop, aber alle sind froh, wenn sie es einfach tun. Wenn es alle machen, ist sogar "Zungefesthalten" nicht peinlich und es bringt so spannende neue Erlebnisse. Auch Theorie gehörte zu diesem Workshop. Wie spricht man offenen und geschlossene Vokale? Dem ein oderen anderen wurde klar, dass er je nach Dialekt, jahrelang falsch lag. Auch, dass es "Könich" heißt, und nicht "Könick" – puh. Viel Input. Teilnehmer Sebastian formulierte seine Erlebnisse so: "Ich breche aus meinem Kokon der sprachlichen Unwissenheit aus." Wir hörten uns auch verschiedenen Tonbeispiele an und lernte, wie wir Sprache und die Stimme beschreiben können: "Das war gut!" ist zwar ein Lob, hilft dem Sprecher aber nicht weiter. Außerdem merkten wir, warum uns manche Arten zu sprechen gefallen und andere nicht. Mit vollen Köpfen, durchgeatmeten Lungen und langen, beweglichen Zungen ging auch dieser Workshop am Sonntagnachmittag zuende.

 

Kooperation mit Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf

Über das neue Düsseljournal

Eine Woche mit Daisy

von Katrin Boers

 

Seit Anfang Oktober 2016 gibt es wieder ein Düsseljournal. Fünf Sprecher und Sprecherinnen des Sprechstil Ateliers Düsseldorf (Christian Arnold (Sprecherjahrgang 16/1), Kirsten Beckett (2013), Katrin Boers (15/2), Marie Hubald (16/1), Kerstin Lange (2014)) lesen im wöchentlichen Wechsel Artikel aus der Düsseldorfer WZ für den BSVD – für den Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf.

 

Mit Freude, Engagement und viel Herzblut sind wir fünf an den Start gegangen. Jede/r übernimmt eine Kalenderwoche und liest Artikel aus dem regionalen Teil der WZ. Unser Ziel: jede Woche bekommen die Hörer des Düsseljournals eine fertige Hörzeitung. Ein bis anderthalb Stunden ist jede gesprochene Ausgabe lang. Es gibt Artikel aus der Kommunalpolitik, von der Kultur und auch aus dem Sport und das W.Zetti – eine Art täglicher Kommentar - darf auch nicht fehlen. Neuigkeiten für den BSVD steuert der Verein selbst bei und wir bauen es in das Düsseljournal ein.

Ja, die Handhabung, der für uns neuen Technik, hat etwas von einem elektronischen Baukasten. Wir suchen die Artikel aus, lesen sie kurz durch und sprechen sie dann mit Hilfe des Programms Daisy in den PC. Die Struktur des Programm hilft uns Sprechern, die Hörzeitung für die blinden und sehbehinderten Hörer/Innen bequem benutzbar zu machen. Deshalb gibt es verschiedene Ebenen, die die Zeitung gliedern. So kann jeder Hörer entscheiden, finde ich das spannend, oder springe ich zum nächsten Artikel. Jetzt verbringt jeder von uns Sprechern immer eine Woche mit der WZ und mit Daisy. Es geht also damit los, die Artikel auszusuchen. Dann geht jeder von uns ein bisschen anders vor – wir suchen noch den bestmöglichen Arbeitsprozess.

Meine persönliche Woche mit Daisy sah so aus, dass ich den Bildschirm meines PCs geteilt habe und auf einer Seite das Programm zur Produktion der Hörzeitung offen hatte. Da kann ich aufnehmen, stoppen und bei Versprechern, Textpassagen neu einsprechen. Auf der anderen Seite des Bildschirms habe ich die Online-Ausgabe der WZ des jeweiligen Tages. Nach der Begrüßung und den Vereinsnachrichten kommt immer der Wochentag und dann die einzelnen Artikel. Spaß am Vorlesen und verwirrte Momente wechselten sich ab. Dann nämlich, wenn bei Artikeln aus Sport oder Kultur richtig schwer auszusprechende Nachnamen auftauchten oder der Artikel sich plötzlich schloss oder draußen vor der Haustür die Müllabfuhr Krach machte und so eine Aufnahme ruinierte.

Unsere ersten Wochen mit Daisy waren für jede/n von uns sehr aufregend. Der eine druckt die ausgewählten Artikel aus, der nächste macht seine Tonaufnahmen im Kleiderschrank, damit die Außengeräusche nicht stören und Sprecher Chris Arnold hat sogar ein bisschen Musik als Anfangsmelodie in seine Düsseljournal-Ausgabe einfließen lassen. Ich hatte besonders schwitzige Hände, als ich die fertige Hörzeitung sonntagabends online beim ATZ in Holzminden hochlud. Montagmorgens um 8 Uhr ist Abgabeschluss. Im Laufe des Montags brennt die Mitarbeiter beim ATZ die Hörzeitung auf CD und verschickt sie auch als Downloadlink an die Abonnenten. Als das erfolgreich gleich beim ersten Mal geklappt hatte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Wir Sprecher sind alle jedes Mal sehr stolz, wenn unser "Baby" für eine Woche fertig ist.

In der Audiothek gibt es einige Kostproben aus den Düsseljournal-Ausgaben der vergangenen Wochen.

 


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Unsere Teilnehmer in Aktion

Mediensprecher lesen Zeitungsartikel für das neue Düsseljournal

Durch ein Casting wurden fünf Sprecher/innen für das neue Düsseljournal ausgewählt. Christian Arnold, Kirsten Beckett, Katrin Boers, Marie Hubald und Kerstin Lange lesen im wöchentlichen Wechsel Zeitungsartikel aus der WZ für die neue Hörzeitung des Blinden- und Sehbehinderten Vereins Düsseldorf (BSVD). Hier ein kurzer Zusammenschnitt aus den ersten Ausgaben...

 

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Sprecherausbildung Mediensprechen

Good Vibrations - Von Marmelade im Kopf, Zungenbetrachtungen und Highwerden durch Atmen

Zweiter Workshop für 16/2

von Katrin Boers

Am Wochenende hieß es: "Auf in den nächsten Workshop!". Nach dem ersten Wochenende im Oktober und jede Menge Warm-Ups zuhause waren alle gut vorbereitet, um diesmal die Rezonanzräume zu entdecken. Wir haben vibriert, geschüttelt (Arme, Beine, Wirbelsäulen und auch Bäuche), Energie gesteigert und geschwungen und geklungen. "Wenn der Atem ans Zwerchfell angebunden ist, kommt die Stimme frei geflossen", sagt Trainerin Sandra und wir seufzen. Loslassen, loslassen, loslassen. Auf unserer "ruhigen Insel" fällt uns das relativ einfach, obwohl jede/r gerade Zuhause und im Job viel um die Ohren hat. Die Räume in der Tannenstraße haben auf uns eine beruhigende, fast magische Wirkung.

 

So werden wir warm, lassen den Atem frei, reichern uns mit Engerie an und scheuchen die anderen mit unserer Engerie auch schon mal durch den ganzen Raum. Wir bringen unsere Körper durch Summen zum Schwingen und Vibrieren. Und das so stark, dass die anderen es spüren können. Dabei helfen Sätze wir "Meine Mutter macht Marmelade, hmmmmm!" Unsere Köpfe und Körper verwandeln sich in Bienenkörbe. Wenn alles erstmal schön schwingt, vibriert und frei ist, bekommen unsere Stimmen eine unglaubliche Kraft und Wucht. "Wir machen Bums", beschreibt es Teilnehmer Sebastian.



Wir anstrengend das "geschmeidig werden" sein kann, merken wir, als wir uns unsere Zungen genauer anschauen. Jede/r kriegt einen Spiegel in die Hand und dann werden Zungen beobachtet. "Was macht die eigentlich so?" Liegt sie entspannt und schläft, wie bei Gunda, oder zuckt sie, wie bei Esther? Wir testen Dinge mit ihr, die sie nicht gewohnt ist. Das Herausdehnen, im Sprecherjargon "Pleuen" genannt, ist eine Herausforderung. Wir steigern innerhalb von zwei Tagen Workshop unsere gesamte Engerie. Dafür atmen wir und merken, wir werden schon high, wenn wir einfach nur intensiv genug durch ein Nasenloch Luft einschnüffeln. "Das fühlt sich wie ein Mentholbonbon im Kopf an", kommentiert Teilnehmerin Miriam.

 

So vibrierend, befreit und aufgeladen kann es Zuhause weitergehen.


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Sprecherausbildung Mediensprechen

Sieben Gladiatoren mit gelöstem Kiefer auf dem Weg zum Ruhm

 

Rückblick auf die Sprecherausbildung Mediensprechen 2015/2

von Katrin Boers

 

Wieviele Fragezeichen im September 2015 durch unsere sieben Köpfe geisterten, kann ich nicht zählen. Es waren auf jeden Fall SEHR viele. Große Augen, gerunzelte Stirnen und zuckende Schultern verwandelten sich aber peu à peu in einen locker händenen Kiefer, einen gelösten Atem, befreite Seufzer und jede Menge Spaß am Sprechen. Den hatten wir zwar auch vorher schon, sonst hätten wir die Ausbildung gar nicht erst angefangen, aber die Aha-Momente reihten sich aneinander.

Am Ende sahen wir dann so aus...

 

Doch von Anfang an: Die ersten beiden Workshops standen ganz im Sinne unserer Körper und unseres Atems. Trainerin Sandra wurde es nicht müde, uns an den gelösten Kiefer zu erinnern und wir warm-upten uns auf, was das Zeug hielt.Unsere Gruppe aus Anke, Christina, Christof, Dana, Daniel, David und mir, Katrin, wuchs flott zusammen. Gemeinsames Mittagessen, Teetrinken, Hausaufgaben-Feedbacks, das schweißte genauso zusammen, wie Fahrgemeinschaften zum Bahnhof, Techniktipps, aber auch das Halten von fremden Körperteilen.

 

Okay, das bedarf einer genaueren Erklärung: Bei einer Partnerübung führt einer den locker hängenden Arm des anderen. Der Geführte soll die Kontrolle über seinen Arm abgeben – das klappte mal mehr, mal weniger.


Wir trainierten unsere Zungen mit Zungenbrechern bei Coach Julia. Schwitzen über Transferaufgaben für das nächste Workshop-Wochenende. Zermaterten unsere Gehirne bei der Herausforderung, ein Stück Text auswendig zu lernen. Zitat Trainerin Jutta: "Ein bis anderthalb Minuten reicht völlig aus."

 

Bei Trainer Daniel zerlegten wir Texte in einzelne Wörter und tasteten sie mit unseren Stimmen ab, wie Gegen- ständen mit einer Taschenlampe in völliger Finsternis. Oder beim Workshop "Hörspiel": da verwandelten wir uns in streitende Pinguine, die sich am liebsten aus Langeweile die Köpfe einschlagen wollten. Und immer wieder gab es Warm- Ups, deren Bedeutung und Nutzen uns immer bewußter wurde. Ja – das ist Arbeit – aber es hilft: so unsere Einsicht. (Solche Erkenntnisse lassen Trainer übrigends wissend lächeln!)


Immer wieder kamen wir auch aus dem Übungsmodus heraus und wurden mit der echten Sprecherwelt konfrontiert. Dann nämlich, wenn es Castings gab. Jeder konnte selbst entscheiden, ob er/sie sich die Teilnahme zutraute und wir versuchten es nach Kräften, richtige Sprecherjobs an Land zu ziehen. Wir bewarben uns für ein Live-Rollen-Spiel und wurden genommen, wir schickten Sprechproben zum Domradio, die weihnachtliche Gedichte gelesen haben wollten und einige von uns, sind nun in der Sprecherkartei des LVR, des Landschaftsverbandes Rheinland. So lernten wir in unserer Ausbildung auch ein bisschen für unsere neue Berufswelt. Nicht jedes Casting schließen wir mit einem Job ab, aber auch das gehört zum Lernprozess. Absagen gehören zum Geschäft, Kritik zum Alltag und Klinkenputzen ist Teil des Business. So haben wir sieben Blut geleckt: der Wunsch, Synchronsprecherin zu werden oder nach der Ausbildung sofort Hörbücher zu lesen oder über Nacht berühmt zu werden, wird sich zwar wohl nicht sofort erfüllen. Wir haben durch die Ausbildung und die Gespräche mit den Trainern einige Luftschlösser auf Eis gelegt, doch alles hat uns auch Lust auf mehr gemacht.Besonders aufregend waren die Studio-Tage bei Tom Blankenberg in den Convoi-Studios. In der Sprecherkabine hinter dem Mikrofon zu stehen, sich an Werbespots, Anrufsbeantwortersprüchen und einem echten Hörspiel zu versuchen, hat unglaublich Spaß gemacht! (Zitat: "Saufen, saufen, saufen!") Tom gab uns Tipps und Regieanweisungen und wir konnten das direkt am Mikro umsetzen und ausprobieren. Nach diesen Tagen oder überhaupt nach allen Workshops schlichen wir erschöpft, aber meistens glücklich und erfüllt nach Hause.

 


 

Unser Gruppenprojekt wurde dann gegen Ende unserer Ausbildung noch einmal ein im wahrsten Sinne des Wortes tierisches Highlight. Ich hatte für uns ein Hörspiel für sieben Sprecher geschrieben. Titel: "Der Nächste, bitte!". Das mag jetzt gewichtig klingen, war aber eigentlich nur pragmatisch. Wir wollten als Gruppenprojekt ein Hörspiel produzieren. Doch wir wollten auf keinen Fall Probleme mit irgendwelchen Rechten von Autoren haben. Es selbst zu schreiben, war die einfachste Lösung, außerdem bekam dann jeder eine gleich große Rolle.Wir angehenden Sprecher konnten uns als Zootiere auf einer Quarantänestation so richtig austoben. Da gab es die hypochondrische Giraffe, den schüchternen Gorilla, den pubertierenden Löwen, das Lama mit Verfolgungswahn, die altersmüde Elefantendame, den tussihaften Flamingo und das Krokodil, das alle therapieren will (Audiothek). Wir durften unser Stück in den Studios des LVR einsprechen. Die Aufnahmen verlangten uns auch körperlich alles ab. Die Sprecherkabine war klein und meistens waren mindestens drei Sprecher/Innen gleichzeitig drin. Für viele Szenen brauchten wir auch alle "Tiere" und da war die Luft restlos weggeatmet. Außer Puste, nass geschwitzt, aber sehr stolz krönten wir den Hörspieltag mit einem Eis beim Italiener.

 

Während wir an dem Hörspiel so intensiv zusammen arbeiteten, ging es danach an die Abschlussarbeit. Hier sollte jeder in drei verschiedenen Genres zeigen, was er/sie kann und was er/sie gern in Zukunft mehr versuchen und ausbauen möchte. Nach 10 Monaten waren plötzlich die regelmäßigen Treffen vorbei. Verbunden fühlen wir sieben so unterschiedlichen Gladiatoren der Sprache uns aber immer noch. Wichtige Monate, überraschende Erkenntnisse und für manch einen ein neuer Weg in eine glorreiche Zukunft!

 

(Okay, ein bisschen viel Pathos vielleicht, aber am Ende darf man ruhig ein klein wenig pathetisch werden, oder?)

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Sprecherausbildung Mediensprechen

Ein bisschen Zoo, erster Körperkontakt und ganz viel Atem

 

Der erste Wochenendworkshop für die zehn Neuen der Sprecherausbildung Mediensprechen 16/2 startet – zwei Tage lang geht es um Körper, Atem und Stimme - und alle sind froh, dass sie bei den ersten Übungen erst mal herzhaft gähnen dürfen. "Das bringt Wohlspannung", erklärt Trainerin Sandra und gähnt genüsslich vor. Es steckt an und bald gähnen alle um die Wette, bis Nasen laufen und Tränen fließen. Eine Runde Taschentücher für alle und weiter gehts.

 

Nach dem Gähnen gibt es den Kennenlern-Erstaufnahme-Kontakt. Dem Gegenüber seinen Namen sagen, kann schwieriger sein, als viele denken. "Was macht dein Atem dabei?" - diese Frage beschäftigt uns das ganze Wochenende. Dann wirds richtig aktiv, Hände werden geschüttelt, Füße berühren sich wie bei einem Tanz und es wird kräftig abgeklatscht.

 

Diese ersten Übungen verursachen noch viele Fragezeichen in den Gesichtern der Teilnehmer_innen, "aber", beruhigt Trainerin Sandra, "es führt euch zu eurem Atem". Der soll die ganze Zeit fließen, was am besten geht, wenn der Unterkiefer locker hängt. Eine echte Herausforderung und Sandra erinnert immer wieder daran und sofort klappen zehn Münder auf.

 

Der erste Workshop will den angehenden Mediensprechern ihr Instrument näher bringen: ihren Körper, ihren Atem, ihre Stimme. Das Ziel ist eine lebendige Wachheit, die perfekt fürs Sprechen ist. Das wird auch durch Bilder erzeugt und durch tierische Vergleiche: die Teilnehmer_innen verwandeln sich in Katzen, Schlangen, Pferde, Hasen, Tiger, Adler, Frösche und Flummis oder auch in Matrosen auf einem Schiff in sturmgepeitschter See. Körper springen, werden herumgewirbelt, gedehnt, gefaltet und auch mal entspannt. Wie wir dabei aussehen, wird immer mehr zur Nebensache.

 

Ungewöhnliche Erkenntnisse stellen sich ein: Wie schwer z.B. ein Arm sein kann. Das erfahren die Teilnehmer_innen, als sie in Zweierteams, den Arm des anderen hochheben sollen.

Währenddessen soll der Partner seinen Arm locker hängen lassen und nicht mithelfen. Sich führen lassen und komplett die Kontrolle (und sei es nur über einen Arm) loszulassen, ist eine wirklich harte Nuss. Auch ein menschlicher Kopf wiegt eine Menge und beim vorsichtigen Anheben das Kopfes des Partners/der Partnerin ist Vertrauen und Vorsicht auf beiden Seiten wichtig.

 


Am zweiten Tag kommen zu Körper und Atem auch die Stimme dazu. Sandra braucht uns schon nicht mehr so oft an den fleißenden Atem und den gelösten Unterkiefer zu erinnern. Erster Muskelkater stellt sich ein und auch die erste Idee, wie unser Instrument vielleicht bald funktioniert. Als bei den Übungen Klang zum Atem dazukommt, hallt der Raum bald von ganz viel befreitem Atem und lauten Seufzern.

 

Am Ende des Workshops ist die Luft aus dem Übungsraum komplett weggeatmet, alle sind wohlig erschöpft, aber auch zufrieden. - So kann es in fünf Wochen weitergehen.

 

Eure Katrin Boers

 

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Kooperation mit Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf

Neues Leben für das Düsseljournal

Fünf Mediensprecher lesen für den BSVD

begleitet von Katrin Boers

 

Regelmäßig gibt es beim Sprechstil Atelier auch Castings für richtige Sprecherjobs. Im Frühjahr 2016 suchte der Blinden- und Sehbehindertenverein Düsseldorf ein oder zwei Sprecher für die Wiederbelebung seiner Hörzeitung. Der Probetext fürs Casting: ein Zeitungsartikel über einen Beinahe-Flugzeugabsturz am Düsseldorfer Flughafen.

Der Verein war überwältigt von der Resonanz aus dem Sprechstil Atelier und er entschied, weil er sich kaum entscheiden konnte, nicht für einen, sondern gleich für FÜNF Sprecher.

 

Im August 2016 gab es das erste persönliche Treffen der fünf Sprecher (Chris Arnold, Kirsten Beckett, Katrin Boers, Marie Hubald und Kerstin Lange) mit dem Ehepaar Elisabeth und Günter Stiebeling vom Vorstand des Blinden- und Sehbehindertenvereins in ihrer Geschäftsstelle in Düsseldorf.

 

Das Ziel: die Wiederbelebung des Düsseljournals. Dabei handelt es sich um eine Hörzeitung. Die Abonnenten bekommen einmal in der Woche eine CD mit den vorgelesenen Artikeln aus dem Düsseldorfer Regionalteil der WZ, der Westdeutschen Zeitung. Seit Anfang 2016 saß der Verein bereits auf dem Trockenen – oder im Stillen. Eine Mitarbeiterin der WZ, die das Vorlesen der Artikel bisher übernommen hatte, wechselte den Arbeitsplatz und so gab es auch plötzlich kein Düsseljournal mehr.

Bis jetzt – denn die fünf Sprecher des Sprechstil Ateliers waren sofort Feuer und Flamme, das Tonbandjournal oder die Kassettenzeitung, wie es im vergangenen Jahrhundert mal hieß, mit neuem Atem und frischem Klang zu füllen. Dazu war erst einmal etwas Technik nötig. Deshalb machten sie sich mit der neuen Software für "Daisy" vertraut. Mithilfe von Daisy wird die Hörzeitung produziert und auch bei den Abonnenten später abgespielt. Die Software macht es möglich, dass blinde Menschen sich mit einem Daisy-Abspielgerät durch das Buch oder die Zeitung navigieren können und genau das finden, was sie hören möchten.

Ende September gab es noch ein Treffen und eine letzte Besprechung über persönliche Begrüßungen, Feinheiten und technische Fragen.

 

Ab Anfang Oktober 2016 geht das Düsseljournal für seine 130 Abonnenten an den Start. "Die freuen sich schon", sagt Elisabeth Stiebeling. "An überregionale Informationen kommen Blinde gut heran, aber an regionale Nachrichten aus Düsseldorf wenig. Außer ein Sehender liest aus der Zeitung vor." Diese Lücke schließen die fünf Sprecher ab sofort.

 

Jeder liest jeweils aus einer Woche ausgewählte Artikel vor. Stadtpolitisches wird ebenso dabei sein, wie Neuigkeiten über die Fortuna und was sich bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln so bewegt. Auch Vereinsnachrichten werden in dem neuen Düsseljournal ihren Platz haben. Für die Zukunft überlegen die Sprecher schon, ob nicht auch etwas Lyrik in Form von Gedichten oder ähnlichem bald einen Platz im Journal bekommen soll.

Für Nichtabonnenten ist spannend, dass die WZ die Hörzeitung auch auf ihre Internetseite stellen will.

 

 http://www.wz.de/home


Sprecherausbildung Mediensprechen

Kennenlerntag: Beschnuppern beim Speed-Deating

25.09.2016 - 16 Uhr – Tannenstraße 13 – Düsseldorf – Alle sind pünktlich und aufgeregt.

 

Zum ersten Mal begegnen sich die Teilnehmer_innen des neuen Ausbildungsjahrgangs der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/2. Die Erwartungen sind groß, die Nervosität auch. Alle setzen sich erst einmal in den Stuhlkreis. Bei der Begrüßung und den einleitenden Worten von Leiterin Sandra Marx ist es im Stuhlkreis sehr still, alle scheinen gespannt den Atem anzuhalten.

 

Anstatt, dass sich jetzt jeder nacheinander vorstellt, haben Leiterin Sandra und Trainerin Lilian an etwas Rasanteres gedacht: Speed-Dating. Fragende Blicke wandern durch den Raum: "wir wollen hier doch sprechen und keine Verabredungen abgreifen" – denken die meisten leicht verwirrt. Aber für lange Verwirrung ist keine Zeit. Es gibt zwei Reihen, die angehenden Mediensprecher_innen stellen sich gegenüber und dann hat der erste eine Minute Zeit, dem anderen etwas über sich zu erzählen. Nach einer Minute wird gewechselt und dann gibt es eine Minute, in der die "Paare" Gemeinsamkeiten finden sollen. Anschließend wird gewechselt und es geht von vorne los. "Auf gehts!"

 

Der Raum klingt plötzlich wie ein Bienenstock. Neun Leute sprechen und lachen gleichzeitig. Da werden Basisinfos häufig mehrmals erzählt, aber auch auch immer neue Aspekte mitgeteilt und ausgetauscht. Sandra stoppt die Zeit, doch ihr "Stop" nach einer Minute muss sie immer lauter und immer öfter rufen. Die Gruppe will gar nicht mehr aufhören, zu reden.

 

Nach über 30 Minuten Dauerreden und Zuhören, hatte jeder jeden und sie sinken platt und durstig auf die Stühle. Jetzt gibt es erstmal eine Minute Schweigen. Die Info- und Stimmenflut muss mal kurz sacken. Danach fragt Lilian, was beim Speed-Dating aufgefallen ist. "Wie klingen Menschen? Welche Stimme hat euch berührt? Wem habt ihr gerne zugehört? Wo wolltet ihr länger zuhören?" Alle schauen sich an, lächeln und beantworten die Frage ganz für sich.


Es folgt eine nötige Atempause, die Verteilung der noch leeren, roten Seminarordner und Organisatorisches für die nächsten zwölf Monate der Ausbildung. Für den ein oder anderen ist es schon seltsam, den Abschlussabend 2017 zu planen. Doch die Trainer versichern mit einem wissenden Lächeln: "Das geht schneller, als ihr denkt!"

Dann gibt es noch einen Technikworkshop von mir, der Projektassistentin Katrin "Was brauche ich an technischem Zubehör und Fähigkeiten für die Sprecherausbildung Mediensprecher?". Da die Voraussetzungen aller Teilnehmer_innen sehr unterschiedlich sind, gibt es Tipps, womit man Sprache aufzeichnet, wie man schneidet und auch, wie der richtige Raum zuhause aussehen soll. Am Ende gibts auch die erste kleine Hausaufgabe – eine persönliche Vorstellung in 30 Sekunden, mal flippig, mal sachlich, mal geheimnisvoll. Wie praktisch, da kann jeder später checken, ob er beim Speed-Dating alles mitgekriegt hat und welche Info ihm noch fehlt.

 

Aufgeregt ist am Ende keiner mehr – aber neugierig, wie es Mitte Oktober mit dem ersten Workshop weitergeht.

 

Eure Katrin Boers

Sprecherausbildung Mediensprechen

Gegenseitig berühren

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

 Im letzten Workshop der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/1 wagten sich unsere Teilnehmenden wieder an eine Disziplin mit meist fiktiven Texten: Dialoge. Bereits im Prosa-Workshop gab Trainerin Julia den Teilnehmenden Wege an die Hand, wie sie einen Charakter für sich erarbeiten können, und nun galt es, diese mit Partner_innen umzusetzen. Trainerin Lilian kitzelte dabei mit hilfreichen Übungen und Spielen Experimentierfreude aus den Teilnehmenden heraus und lud sie ein, noch intensiver den Zusammenhang zwischen Atem und Stimme zu erforschen.

In Paardialogen wurde das Reagieren aufeinander untersucht – wann berührt uns die Stimme, die Emotion des Anderen? Wie klingt es, wenn ich durch einen Telefonhörer zu meinem Gegenüber spreche? Wie spricht ein Sohn zu seinem Vater, wie ist es andersherum? Fühle ich die Enge, in welche diese Person gedrängt ist? Spüre ich die Freiheit, welche die Person verspürt?

 

Zum Abschluss es Workshops gab es noch einen kurzen Abstecher in die Welt der Werbung – eine Welt mit großen Gesten, intensiven Gefühlen, weiten Bildern. Doch vorher wurde von den Teilnehmenden ein Hörspiel ausprobiert: So konnten sie ertasten wie es ist, wenn mehr als zwei Personen aufeinander reagieren und ein noch komplexerer fiktiver Raum erlebt wird. Da sie hier mehrere Rollen übernommen haben, wurden auch die Herausforderungen ersichtlich, die entstehen, wenn der Körper von den Empfindungen eines Charakters zu einem anderen Charakter mit seiner Geschichte geht.


 Auch wenn die Workshops schon vorbei sind, eins ist bereits klar: Die Trainerinnen, die Teilnehmenden, ihre Stimmen und Persönlichkeiten – sie haben sich gegenseitig berührt, sanft gerüttelt und bewegt, und ihr Weg geht geladen mit neuen Möglichkeiten weiter.

 

Sprecherausbildung Mediensprechen

Das erste Studiotraining – In die Höhle des Löwen?

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Nach dem Abschluss des zweiten Moduls der Sprecherausbildung hieß es für unsere Teilnehmenden: Studiotime! Rein in die Aufnahmekammer, Text in die Hand, und los geht’s?

 

So ein Sprung ins kalte Wasser war es für die Teilnehmenden nicht. Schon in der Vorbereitung gaben unsere Trainierenden viele Hinweise, die sie gleich vor Ort anwenden konnten. Was sollte ich mit ins Studio mitnehmen? Wie kann ich mich stimmlich für mich optimal auf den Termin vorbereiten? Was sind absolute no-gos?

 

Vor Ort führte Audioregisseur Tom von den Convoi Studios die Teilnehmenden mit geübten Ohr und konkreten Anweisungen durch die Textarbeit.


Nach dem Einpegeln und technischen Einführungen geht es gleich mit intensiven, immer wieder etwas neues in der eigenen Stimme und im Text entdeckenden Aufnahmen los.

Er informierte auch darüber, wie Studiotermine mit Redaktion oder Kunden vor Ort ablaufen können und wie sich die Anweisungen je nach Präferenz der Regie unterscheiden. Eine unerwartete Erkenntnis der Teilnehmenden bezieht sich auf einen ganz technischen Aspekt, ist es doch gerade wichtig für die Emotion: Studiokopfhörer lassen die Facetten der Stimme ganz anders erklingen als viele, welche die Teilnehmenden zu Hause haben – das ermöglicht ein noch intensiveres Wahrnehmen der Wirkung der Stimme.

Sprecherausbildung Mediensprechen

In das Herz der Prosa

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Nach den alles andere als trockenen Sachtexten und abwechslungsreichen Features ging es für unsere Teilnehmer_innen der Sprecherausbildung 2016/1 das letzte Workshopwochende um eine Disziplin, die sie schon als Kinderschuhen kannten: Prosatexte!

Das ist zum Beispiel das Märchen, dass den Kindern vorgelesen wird, das Thriller-Hörspiel, was einen den Atem innehalten lässt, oder die Lesung eines historischen Briefs, der die Gesellschaft aus einer vergangenen Zeit vor dem inneren Auge aufleben lässt.

Einige Sprecher_innen setzen an, lassen ein paar Worte in den Raum fließen und schon wird uns eine Welt eröffnet, weit und intensiv, abwechslungsreich und mitreißend. Wie schaffen sie es, uns so in den Bann zu ziehen? Auf den Spuren dieser Vorbilder machten sich unsere Teilnehmer_innen daran, Prosatexte zu er-, ver-, be-, auszuarbeiten – Sie in sich aufzunehmen und sie zu ihrem eigenen Stück zu machen, ohne den Geist des Originaltextes zu verlieren.

Trainerin Julia kitzelte mit Improvisationsübungen und konkreten Vorschlägen die verschiedensten Facetten aus unseren Teilnehmer_innen heraus. Jeder Text bringt neue Herausforderungen mit sich – und mit dem Workshop bekamen wir hilfreiche Mittel an die Hand, die Aufgaben, die jeder Text stellt, immer wieder aufs Neue zu bewältigen.

Und dann probieren wir, lauschen, fühlen, wie alles im Einklang ist. Wenn die Stimme eine Welt eröffnet.

Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Vielleicht auch mal ein Anrufbeantworter

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Was haben ein Nachrichtentext, stimmliche Begleitung für ein erklärendes Video und ein Text für den Anrufbeantworter gemeinsam? Die Antwort gab der letzte Workshop der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/1: Sie alles sind Arten von Sachtexten, mit denen sich unsere Teilnehmer_innen der Sprecherausbildung am Workshop-Wochenende beschäftigt haben. Ein weiterer zentraler Aspekt des Workshops war das Texten für das Sprechen – was nehmen wir lesend, was hörend war? Und wie können wir einen Text so gestalten, dass er hörend gut aufgenommen werden kann?

Beim Sprechen scheint der Schritt vom Feature (letzter Workshop) zum Nachrichtensprechen gar nicht so weit – ähnlich wie bei den erklärenden Teilen des Features ist es auch hier wichtig, dass der Text möglichst gut verstanden wird und den Sprecher_innen die Aussage dahinter klar ist. Wenn dieses Verständnis geschaffen ist, folgen auch der Atem und die Betonungen ganz natürlich der eigenen Haltung und den Gedanken, die sie begleiten.

Ganz neue Herausforderungen bieten die anderen erforschten Arten der Sachtexte, wie zum Beispiel das Voice-Over zum Erklärfilm. Zum bewegten Bild sprechen ist nicht nur eine Sache des Timings, sondern auch ein gemeinsamer Tanz von Visualisierungen und ihren entsprechenden Textteilen, welche sich gegenseitig unterstützen.

Mit den Texten für die Anrufbeantworter eröffnen sich ganz neue Welten: Hier wird nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben. Und überlegt! Was gehört in eine Anrufbeantworteransage, und wie ist meine Haltung? Beim Hören und Sprechen der Ergebnisse gab es viel zu Entdecken und zu Hinterfragen: Wie finde ich das? Warum finde ich das angenehm? Oder warum das unangenehm? Fragen, die wir in den Alltag mitnehmen, mit denen wir unsere Sinne schärfen.

 

Dieser Workshop war übrigens der erste, den Trainerin Lilian mit dem Sprechstil Atelier durchgeführt hat. Wir danken dir für das lehrreiche Wochenende!

 

Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Sachlichkeit feat. Emotion

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Im Juni-Workshop der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01 wagten sich unsere Teilnehmer_innen mithilfe von Trainerin Julia an das Thema „Feature“ heran. Das vor allem im Radio häufig gespielte Format verlangt eine besondere Herangehensweise an den Text und dessen Inhalte.

Ein Feature steht im Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Reportage – Fakten, Sachlichkeit und emotionale Erzählungen, Einwürfe werden zu einer Darstellungsform, welches die Hörer_innen in die Welt der recherchierenden Journalist_innen und deren Untersuchungen einlädt. Vorausgesetzt, die Beteiligten Sprecher_innen und Regisseur_innen können die Vorstellungen, den vorbereiteten Text der Journalist_innen in der Produktion zu einem spannenden Narrativ machen. Manchmal sind sogar die Journalist_innen selbst mit ihrer Stimme aktiv, oft gibt es O-Töne von Interviews oder Hintergrundgeräuschen, welche das Feature lebendiger machen.

Wer noch nicht mit einem Feature in Berührung gekommen ist oder sie unabhängig von den Sendezeiten hören möchte, kann zum Beispiel die Features des WDR 5 in der Mediathek nachhören.

Je nach Thema und Stil der Autor_innen schlüpfen Feature-Sprecher_innen in viele unterschiedliche Rollen. Sie beschreiben eine Umgebung, stellen eine besondere Begegnung nach, lassen Schlagwörter nachhallen, sind Voice-Over für O-Töne. Eine gründliche Bearbeitung des zu sprechenden Textes und eine gesunde Neugier und Offenheit gegenüber dem Thema sind nur zwei der vielen Grundsteine, aus denen sich das Tor zur einer gelungenen Sprachaufnahme für ein Feature bauen lässt.

 

Die Stimme durch das Spannungsfeld zwischen sachlicher Distanz und emotionaler Nähe fließen zu lassen ist eine Herausforderung, welche die Teilnehmer mit vielen unterschiedlichen Ansätzen spielen lässt. Um die Authentizität und besonderen Eigenschaften der Sprechstimme im Endprodukt zu wahren, hilft Trainerin Julia den Teilnehmer_innen mit individuell abgestimmten Herangehensweisen auf ihren Weg.

 

 


Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Die Kunst des Vortragens

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Was heißt es eigentlich, einen Text vorzutragen? Es kann ja nicht so schwer sein, einen Text einfach vorzulesen, oder? Was es alles dabei zu beachten gibt und die verschiedenen Erarbeitungsansätze lernten die Teilnehmenden unserer Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01 im letzten Workshop mit unserer Trainerin Julia kennen.

So ist eine Sache, welche die Sprecher_innen beim Vortragen im Hinterkopf behalten, die Größe des Raumes. Dass die Akustik anders ist, wenn wir einen Text in einer Halle sprechen anstatt zum Beispiel in einer kleinen Kammer, haben die meisten bereits auf den Schirm. Aber wie passt man die Vortragsweise darauf an? 

Das ist eine Kunst für sich. Je nach Raumakustik gibt es verschiedene Strategien, damit der Text besonders gut hörbar in dem jeweiligen Raum erklingt – das betrifft nicht nur das laut oder leise sprechen, sondern auch wie die Laute geformt werden und welche Resonanzräume stärker eingesetzt werden.

Beim Vortragen im Freien kommt selbst die Windstärke und Windrichtung mit ins Spiel. Wer hat nicht schon einmal das Gefühl gehabt, dass etwas nicht hörbar war, weil der Wind zu stark um einen herum sauste? Eine andere besondere Vortragssituation ist das Sprechen mit einem Mikrofon. Ob im Studio oder mit Gebrauch eines Mikrofons als akustische Verstärkung – jede Situation hat ihre eigenen Anforderungen und bringt neue Herausforderungen mit sich, die es als Sprecher zu erforschen gilt.

Allein durch die Raumsituation werden von Sprechern schon eine Palette an stimmlichen und mentalen Fähigkeiten gefordert – und ist der Text trocken gesprochen noch so gut herübergekommen, gibt es mit jeder neuen Vortragserfahrung neues an ihm zu entdecken, neues mit ihm zu erspielen.

Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Über das "Mama" hinaus

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

Um zu verstehen, wie der eigene Weg weitergehen kann, hilft es manchmal zurückzublicken. Wenn wir in der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01 über Artikulation sprechen, heißt das zurück zu den ersten Worten - genau gesagt, zurück zu "Mama".

 

Was Jutta erklärt, haben die Teilnehmenden der Ausbildung in festen Übungen in ihren Warm-Ups schon am eigenen Leib erfahren können - die einfachsten Lautbildungen sind die, welche die Zunge völlig entspannt im Mundraum liegen lassen. Nur die Lippen führen sich zusammen, während der Klang nach außen strömt, und öffnet man sie wieder, ist es wie ganz von selbst entstanden - das "Ma" von Mama.

Die Artikulation, die man für das Mediensprechen braucht, geht natürlich über das "Mama" hinaus.

Mit ihren geschulten Ohren hört Jutta heraus, was an der Artikulation der Teilnehmenden schon der sogenannten Standardlautung entspricht und an welchen Stellen noch durch Übungen nachgeholfen werden kann. Bei manchen sind regionale Färbungen bemerkbar, die im alltäglichen Sprechen kein Problem und ein Teil des persönlichen Ausdrucks sind, bei den meisten Genres des Mediensprechens jedoch der Standardlautung weichen.

Bei den Übungen werden zahlreiche Muskeln in Gesicht und Mundraum beansprucht, viele davon, die im Alltag auf diese Weise nicht eingesetzt werden. Sie werden gelockert und aufgewärmt, um für das freie, der Standardlautung entsprechende Sprechen bereit zu sein. Dieses feine Work-Out lässt das Gesicht kribbeln und warm werden. Für viele ist es ungewohnt und eine faszinierende Erfahrung.

 

Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Good Vibrations

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

 

Auch im zweiten Workshop der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01 wurde von den Teilnehmenden wieder über den Tellerrand des Allgemeinwissens geschaut. An diesem Wochenende drehte sich alles um das Thema Resonanzräume öffnen und zum Schwingen bringen. Das an der Atmung noch viel mehr als die Lunge beteiligt ist, wissen wir jetzt schon.

Doch wie sieht es mit dem Erzeugen der Stimme aus?

Wie schon beim letzten Workshop hält der Körper bei diesem Thema wieder einige Überraschungen für unsere Teilnehmenden bereit.

Der befreite, ausgebreitete Atem bahnt sich seinen Weg durch den Körper und bringt unsere verschiedenen Resonanzräume zum Schwingen - vorausgesetzt, die Spannungen sind gut gelöst und die Atemenergie hoch. Und hier fangen die Fragen schon an - Verschiedene? Reicht es nicht, wenn meine Stimmbänder schwingen, die meine Stimme erzeugen?

Bei der Stimmarbeit rücken bisher im Rampenlicht stehende Stars des Körper zurück, um den wertvollen Akteuren hinter der Bühne Platz zu bieten. Im Fall der Resonanzräume sind das die unteren Resonanzräume wie z.B. die Brust oder die Zähne in der Mundregion, eine obere Resonanz, die wir am Wochenende aktiviert haben, ist die des Schädels. Wem jetzt der Schädel vor lauter Nachdenken brummt, ist mit der Vibration am Kopf vielleicht schon etwas näher an dem vollen Klang der gemeinsam aktivierten Resonanzräume des Körpers. Und nicht nur das gemeinsame Schwingen der Resonanzen ist ein wichtiger Schritt für das Kennenlernen der eigenen Stimme - die unterschiedlichen Resonanzräume und ihre Charakteristiken assoziieren wir mit unterschiedlichen Emotionen und Haltungen.

Es zeichnet sich schon ab, wie sich mit diesen "good vibrations" sprechen kreativ gestalten lässt. Gespannt steuern wir auf den nächsten Workshop zu, sicher wieder mit neuem Stimmgefühl und einzigartigen Erkenntnissen.

Sprecherausbildung Mediensprechen

Lippenerkenntnisse - Der Atem ist... im Bein?

Doros Erkenntnisse aus der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01

 

Nach dem ersten Workshop der Sprecherausbildung Mediensprechen 2016/01 können die Teilnehmenden auf eine ganz neue Art und Weise durchatmen. Sprechtrainerin Sandra Marx hat die Gruppe fleißig in Wahrnehmungsübungen eingeführt, die das Bewusstsein für den eigenen Körper und den eigenen Atem steigern. Nach einigen Dehnungen, dem Erfühlen des Atems mit allen Sinnen und ein paar "Oh!"-Ausrufen gefolgt von freudig erzählten Beobachtungen ist es für alle selbstverständlich - der Atem hat in viel mehr als den Lungenflügeln Platz!


 Im Biologieunterricht in der Schule wird beim Thema Atmung oft nur die Funktion der Lunge, manchmal auch die des Zwerchfells angesprochen. Tatsächlich möchte sich jedoch unser ganzer Körper für den Atem zur Verfügung stellen. Dafür muss er sich frei ausbreiten können! Das geht, indem wir mit Dehnungsübungen den Körper flexibel machen und alle möglichen Anspannungen lösen. Lange nicht genutzte Muskeln werden sorgfältig bearbeitet - Huch, da gibt es auch einen Muskel? Dieser Muskel sollte auch gedehnt werden?

 

Es wird geatmet, beobachtet - und siehe da! Ist der Körper ordentlich gelockert, findet der Atem in vielen Bereichen unserer Glieder seinen Platz. Sein sanftes Auf- und Ab ist dann schon mal im Rücken stark spürbar, sogar bis ins Bein kann er vordringen. Bei der Reise des Atems durch den Körper kann es schon passieren, dass man den Atem an Stellen wahrnimmt, an den man ihn nie erwartet hatte - einige spüren ihn sogar in den Zehen, andere in den Fingerspitzen oder hinter den Augen.

Gute Nachrichten für die Abteilung Stimme - ein natürlicher, freier Atem ist eine wichtige Voraussetzung für das richtige Sprechen. Wie wäre es mit ein paar Dehnübungen in der nächsten Pause von der Arbeit?

Sprecherausbildung Mediensprechen

Die richtige Aussprache

An diesem Valentins-Wochenende hatten die Teilnehmer unserer Sprecherausbildung Mediensprechen nur das Eine im Sinn: die richtige Aussprache! Aber was heißt das eigentlich? Klar, wenn jemand im breitesten Bayerisch oder im tiefsten Plattdeutsch spricht, dann ist unverkennbar: da spricht jemand Dialekt. Und das ist manchmal auch durchaus willkommen. Unter professionellen Bedingungen im Tonstudio aber meistens nicht. Dabei sind es nicht nur die beosnders ausgeprägten Dialekte, die ein Sprecher vermeiden sollte. Oft sind es auch kleine regionale Sprachfärbungen, die sich fast unbemerkt in den persönlichen Sprachschatz eingeschlichen haben. Dies zu erkennen und daran zu arbeiten, darum ging es an diesem Wochenende unter anderem. Aber die richtige Aussprache bedingt weit mehr als die Berücksichtigung von Dialekten...

Auch die richtige Aufteilung eines Textes, selbst eines einzelnen Satzes ist sehr wichtig. Die Interpunktion kann bei der korrekten Aussprache eines Satzes helfen. Sie kann aber auch verwirren. Für einen Sprecher ist es wichtig, dass er einzelne Sinnschritte erfasst und sich den Text daraufhin einteilt. Werden die einzelnen Sinneinheiten nicht richtig wiedergegeben, kann tatsächlich die Aussage eines Textes eine andere werden. Im Idealfall hat ein Sprecher ausreichend Zeit, um einen Text zu analysieren und vollständig zu erfassen. Sofern das möglich ist, wird man also immer ausreichend Vorbereitungszeit einplanen. Wie das in der Praxis abläuft, welche Stolperfallen es dabei gibt, welche Möglichkeiten des Aussprachetrainings es gibt und wie eine direkte Anprache des Zuhörers wirkt, das alles konnten unsere Teilnehmer an diesem intensiven Workshop-Wochenende erfahren.

 

Bis zur perfekten Aussprache mag es noch ein weiter Weg sein  – aber die Reise auf dem Weg zum Mediensprecher geht ja auch noch weiter…

 

Sprecherausbildung Mediensprechen

Der erste Tag im Tonstudio

Am vergangenen Wochenende hatten die Teilnehmer unserer Sprecherausbildung Mediensprechen zum ersten Mal die Gelegenheit, unter professionellen Bedingungen in einem Tonstudio zu sprechen. Dabei ging es aber nur bedingt darum, den perfekten Text einzusprechen. Im Vordergrund stand an diesem Tag viel mehr das Ausprobieren und Erfahrungen sammeln. WIe fühlt sich das eigentlich an in so einem Tonstudio? Wie ist das so mit der Zusammenarbeit mit einem Tontechniker bzw. Regisseur? Kann ich mit den Regieanweisungen umgehen? Was gibt es bei der Arbeit im Tonstudio alles zu beachten?

Viele Fragen, die an diesem Tag alle beantwortet werden sollten!

Es gab also auch an diesem Tag wieder viel Neues zu lernen und zu entdecken. Dass dabei der Spaß nicht zu kurz kommen sollte, versteht sich von selbst. So folgte dann auch nach einem ersten Durchlauf mit eher sachlichen Texten eine zweite Runde mit deutlich spielerischen Texten, die unseren Sprechern auch einiges an schauspielerischem Vermögen abverlangten. Für die Zuhörer war es wahrscheinlich gleichermaßen interessant zu hören, was da so alles an verborgenem Potenzial zum Vorschein kam. Und bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit gab es auch viele Gelegenheiten zum Lachen.

 

Die ersten Erfahrungen im Tonstudio sind also gemacht – die Reise auf dem Weg zum Mediensprecher geht weiter…

 

Kooperation mit domradio.de

Teilnehmer der Sprecherausbildung Mediensprechen lesen Weihnachtstexte

Wir freuen uns über unseren neuen Kooperationspartner domradio.de.


domradio.de - der Sender des Erzbistums Köln - sendet seit Pfingsten 2000 und ist der erste kirchliche Sender in offizieller Trägerschaft eines Bistums. Dabei ist der Sendername auch Programm: domradio.de berichtet überwiegend zu christlichen, ethischen und sozialen Themen. Auch bei der tagesaktuellen Berichterstattung wird dieser Perspektive Rechnung getragen. Zum Programm gehören Nachrichten aus Kirche und Welt, Kulturelles und Soziales, Gespräche und Liturgie - das alles eingerahmt von softer Popmusik und ohne Werbung und Verkehrsmeldungen.


Dafür aber mit schönen Texten zur Weihnachtszeit, die an den Adventssonntagen vorgetragen werden. Am kommenden 3. Advent werden zwei Absolventen der Sprecherausbildung Mediensprechen jeweils eine Weihnachtsgeschichte sprechen. Saskia Borowy wird die Geschichte von der "Kleinen Kerze" lesen und Christian von zur Gathen erzählt vom "Zündholz und der Kerze". Weitere Sprecher sollen folgen.


Wir sind schon ganz gespannt, welche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sich im kommenden Jahr ergeben werden.

Ein großes Dankeschön und ein lieber Gruß gehen an dieser Stelle an das Domradio!

Sprecherausbildung Mediensprechen

Workshop Prosa

Unsere aktuell laufende Sprecherausbildung Mediensprechen hat wieder ein spannendes Workshop-Wochenende erlebt. Diesmal stand „Prosa“ im Mittelpunkt. Dabei ging es aber um weit mehr, als einen literarisch schönen Text einfach nur „schön“ vorzulesen.

 

Tatsächlich stellt sich einem Sprecher eher die Frage:  was kann ich tun, um einen Text so zu lesen, wie der Autor das vermutlich mal gemeint hat? Schauspieler kennen das als „Untertext“, der in vielen Texten steckt und den Inhalt maßgeblich beeinflussen kann. Ihm oft sogar eine andere Bedeutung geben kann, die man beim oberflächlichen Lesen der Zeilen übergangen wäre.

Bild vom Sprechertraining, Trainer gestikuliert mit beiden Armen
Mit dem ganzen Körper sprechen /Foto: Sprechstil Atelier

Durch die Konzentration auf jedes einzelne Wort im Text kann dieser vom Sprecher rekonstruiert werden. Es geht um die Darstellung des Textes – nicht um die Selbstdarstellung des Sprechers. Der Hörer entschlüsselt den Kontext und sollte nicht bevormundet werden, indem der Sprecher eine Wertung zu den gesprochenen Worten addiert. Wenn im Text beispielsweise „zart“ steht muss es nicht ‚zart‘ gelesen werden. Auch wenn das vielleicht logisch und einfach klingt, erfordert es viel Übung und vor allem: Konzentration. In mehreren Übungen hatte daher Jeder die Gelegenheit, sich in einer ungewohnten Technik zu versuchen. Erste Erfolge stellten sich schnell ein.

Dazu gab es dann noch zahlreiche Tipps vom Profi, so dass das Wochenende sehr intensiv gefüllt war. Gar nicht so einfach, die Konzentration hochzuhalten. Am Ende dieses Workshops sind unsere Teilnehmer um viele wertvolle Erfahrungen reicher – aber auch sichtlich erschöpft. Jetzt genießen erst einmal alle den Jahresausklang – dann geht unsere Reise im neuen Jahr weiter!

Sprecherausbildung Mediensprechen 2015/II

Mit allen unseren Sinnen

Die Teilnehmer der Sprecherausbildung Mediensprechen haben mittlerweile viele Übungen gelernt, die es ihnen ermöglichen Körper, Atem und Stimme gleichermaßen zu aktivieren.  Am vergangenen Wochenende standen nun die Themen Sprechtechnik und Textarbeit im Vordergrund.

Gruppenübung zur richtigen Atmung
Credits: Sprechstil Atelier

Babys können ausdauernd, mitunter stundenlang schreien, ohne heiser zu werden. Da fragt man sich als Erwachsener schon mal – wie schaffen die das bloß? Ganz einfach – weil sie natürlich atmen. Direkt nach der Geburt atmen wir noch ganz natürlich, der Körper nimmt sich genau die Luft, die er zum Sprechen – oder eben Schreien – braucht. Aber im Laufe der Jahre schleichen sich bei den meisten Menschen ein paar Dinge ein, die dieser natürlichen Atmung im Wege stehen. Und das ist beim Sprechen sehr unerwünscht. Deutlich hörbare Einatmer zum Beispiel. Unser Ziel als angehende Sprecher muss es also sein, den natürlichen Atemimpuls wieder zu trainieren. Also richtig zu atmen, ohne groß darüber nachzudenken. Beim Schlafen geht das ganz automatisch – aber gerade beim Sprechen gelingt das vielen Menschen nicht so ohne weiteres. Das setzt auch eine gewisse Offenheit voraus – sowohl eine körperliche Offenheit als auch eine geistige Wachheit. Zum Sprechen benutzen wir im Idealfall alle unsere Sinne! Mit einfachen Wahrnehmungs- und Atemübungen kamen unsere Teilnehmer schon am ersten Tag dieses Wochenendes der Wachheit ein ganzes Stück näher.

Bei der Textarbeit ging es dann natürlich um die korrekte Aussprache. Übrigens ein Feld, auf dem sich manche Überraschung erleben lässt („Ach! Das spricht man gar nicht so?“). In der Alltagsprache haben sich manche Fehler eingenistet, die so häufig gemacht werden, dass sie fast schon als normal gelten könnten. Aber weit wichtiger noch als die Aussprache, das wurde allen schnell klar, ist die überzeugende Ansprache . Wie muss ich denn einen Text lesen, damit ich die volle Aufmerksamkeit meiner Zuhörer gewinne? Wie kann ich ein Feuer so beschreiben, dass der Hörer die knisternden Holzscheite regelrecht vor Augen hat? Nach zwei Tagen intensiver Praxisarbeit waren wir alle wieder ein ganzes Stück schlauer und haben nun eine noch bessere Vorstellung davon, was die Arbeit eines guten Mediensprechers ausmacht. Die Reise geht weiter…

Sprecherausbildung Mediensprechen - Workshop Körper, Atem, Stimme II

Keine Angst vor dem Lungenfeger!

Unsere aktuelle Sprecherausbildung Mediensprechen hat nun erfolgreich das zweite Workshop-Wochenende  erlebt. Erneut stand der Körper, als das entscheidende Medium für eine freie, alle vorhandenen Ressourcen nutzende Stimme im Vordergrund.

Bild: Abklatschen beim Training
Bild: Übung erfolgreich gemeistert / Sprechstil Atelier

Unsere Teilnehmer, die ja in der Zwischenzeit schon fleißig an ihren eigenen Warm-ups geübt haben, entdeckten wieder viele neue Facetten, die bei der Arbeit mit der Stimme wichtig sind. „Aufmerksamkeit“ war dabei wieder ein wichtiges Thema. Was genau fühle ich gerade? Sind da vielleicht irgendwo Verspannungen, die sich negativ auf meine Stimme auswirken könnten? Mit vielen Übungen zur Aktivierung des gesamten Körpers – wirklich des gesamten Körpers – beschäftigten wir uns mit den physiologischen Grundlagen der Arbeit mit der Stimme. In einfach zu erlernenden Übungen konnte jeder Teilnehmer seine ganz eigenen Erfahrungen machen, wie Atem, Stimme und ein aktivierter Körper im Zusammenhang stehen. Zum Ende dieses Wochenendes verfügte jeder unserer angehenden Sprecher über ein Repertoire an Übungen, um die Stimme frei zu entfalten und optimal als Instrument einsetzen zu können.

Gut – in der Theorie klingt das einfach. In der Praxis bedeutet dies durchaus konzentrierte Arbeit an diesem Wochenende und es setzt auch voraus, dass man kontinuierlich an diesen elementaren Grundlagen arbeitet, um nachhaltig und langfristig optimale Voraussetzungen für die Tätigkeit als Sprecher zu schaffen.

Wichtig ist dabei natürlich, dass der Spaß bei aller Konzentration nicht verloren gehen darf. Und den hatten wir an diesem Wochenende ganz ohne Zweifel. Sei es durch einige ganz neue Facetten der eigenen Stimme, die mache Teilnehmer und Teilnehmerinnen an sich entdecken konnten. Oder auch durch lustige Namen, die manch eine Übung bezeichnen. Der „Lungenfeger“ ist jedenfalls nichts, vor dem man sich fürchten müsste. Aber auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung! Unsere Reise auf dem Weg zum professionellen Mediensprecher hat gerade erst begonnen…